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Ethik und Ästhetik
Restaurierungsethik orientierte sich stets an Zeitgeist und Wissensstand einer Epoche und war einem ständigen Wandel unterworfen. Wenn man von dem optischen Eindruck eines Bildes spricht, der mit der Restaurierung erreicht werden soll, gibt es schon unter Restauratoren oder Kunsthistorikern eher verschiedene Ansichten .Etwas übertrieben und simplifizierend ausgedrückt, wünschen die einen, dass restaurierte Bilder „wieder neu“ wirken, die anderen hängen einer weitgehend unreflektierten „Patina-Romantik“ an und messen dem Gemälde in seinem Bestand als gealtertes Zeitdokument mehr Gewicht bei als seiner geistigen und künstlerischen Aussage. Spricht man dabei das Problem des Authentischen in einem Gemälde an , muss man zu allererst klären, welchen Kriterien für die Restaurierung eines bestimmten Gemäldes in seinem Bestand als gealtertes  Zeitdokument mehr Gewicht  beizumessen ist als seiner geistigen und künstlerischen Aussage. Spricht man dabei das Problem des Authentischen in einem Gemälde an, muss man zuerst klären, welche Kritikern für die Restaurierung eines Bildes aktuell sind. Geht es um das Bild, wie es vor 300 - 360 Jahren im frischen Zustand vom Künstler aus der Hand gegeben ist? Sprechen wir wirklich im Jahr 2ooo -2oo3 von der selben Authentizität des Bildes.
Lassen wir da nicht dessen Alterung und Schäden außer Acht? Sowie das Gemälde die Geschichte einer Bildpflege „ Altreperaturen und Alt Restaurierungen“ aufweist, die meist nicht
dokumentiert „aufgezeichnet“ wurden. Wie sieht es mit diesen oft großflächigen Übermalungen oder Umgestaltungen aus? Bezieht man sie mit ein und akzeptiert man sie zum gewachsenen vorgefundenen Bild-Ist-Zustand gehörend oder nimmt man sie heraus oder belässt man Teilbereiche, die zur Geschichte des Objektes gehören, als historisch gewachsen, und zum ursprünglichen Bild-Ist-Zustand gehörend? Sicherlich hat sich das Bild im Lauf der Jahrhunderte farblich und inhaltlich verändert, da nicht nur die Materialien gealtert sind und Eingriffe durch Altreparaturen vorgenommen wurden. Der  Restaurator ist durch seine Arbeit gezwungen, das vorliegende Objekt und seinen Zustand bis zu einem gewissen Maß zu interpretieren und danach seine Arbeit auszurichten. Er wird sich deshalb auf die angewandten Untersuchungen stützen. Dazu bedienen sich die Restauratoren häufig einer ganzen Reihe von Spezialisten und Verfahren, die teilweise aus der Diagnostik oder den naturwissenschaftlichen Arbeitsgebieten entliehen sind. „Siehe Untersuchung“. Im Rahmen einer  Restaurierungsmaßnahme werden auf der Basis der durchgeführten Voruntersuchungen Vorgaben hinsichtlich unerlässlicher Maßnahmen, technischer Möglichkeiten etc  formuliert. Diese führen dann in Abstimmung mit dem Auftraggeber  und Historiker sowie anderen Beteiligten zum endgültigen Konservierungs- oder Restaurierungskonzept, in dem das Ziel definiert ist. Der ausführende Restaurator arbeitet wohl oder übel im Stil seiner  Zeit, andere werden die Spuren eines Restaurierungseingriffs später datieren können . In dieser Konsequenz gesehen sind der nicht ausgeführte Eingriff oder der sogenannte minimalistische Eingriff ,von denen man zur Zeit so gerne spricht, auch nur Interpretationen,  wie es jede Stellungnahme ist, die sich mit  einem Phänomen auseinandersetzt. Die Überlegungen von der Restaurierung eines Kunstwerkes gehen immer wieder auf eine Rangordnung in der Substanzerhaltung hinaus: Unverzichtbares, Wesentliches , weniger Wesentliches. Oft steht man vor der schmerzlichen Entscheidung und wird eben zu Kompromissen gezwungen. Die Restauratoren sollen an ihre Arbeit die höchsten Qualitätsansprüche stellen, unabhängig von Wert und/oder Rang des Kunst- und Kulturgutes.
Müssen Einschränkungen  des Behandlungsumfangs in Kauf genommen werden, hat der Substanzerhalt absoluten Vorrang.

Präampel
Fachbegriffe
Material